Aufruf: Gegen den Burschentag in Eisenach, gegen alle Männerbünde!

Die Deutsche Burschenschaft zerlegt sich selbst. Auch nach dem vergangenen Burschentag in Eisenach ebbt die Austrittswelle nicht ab: Fast die Hälfte aller Bünde hat den Verband in den letzten drei Jahren seit dem Skandal um den sogenannten „Arierparagraphen“ und der damit einhergehenden Eskalation der Flügelkämpfe verlassen. Die verbliebenen Verbindungen sind die offen völkischen und faschistischen, ausgetreten sind die nationalkonservativen und die, denen ihr Image dann doch wichtiger war als die Tradition. Kurz: Der einst bedeutendste studentische Korporationsverband ist nicht mehr das, was er einmal war.

Eines jedoch ist geblieben: Die Mitgliedsbünde der Deutsche Burschenschaft sind Männerbünde – und mit ihnen auch die angeblich „liberalen“ Bünde, die die DB in den letzten Monaten und Jahren verlassen haben, und überhaupt nahezu alle deutschen und österreichischen Studentenverbindungen.

Die Idealisierung martialischer Männlichkeit, Homophobie, völkischer Nationalismus, Sexismus und antifeministische Agitation sind noch immer Gang und Gäbe in sämtlichen Burschenschaften…(mehr)

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Paper: Männerbund als Gemeinschaft der Gleichen

Zur psychologischen Funktion von Mensur und Kneipe

Der studentische Männerbund wäre nichts ohne jene zahlreichen rituellen Praktiken, die die Verbindungsstudenten selbst „studentisches Brauchtum“ nennen. Ein umfassendes und strenges System von Normen und Verhaltensvorschriften, der sogenannte Comment, regelt den Alltag auf dem Haus, die verbindungsstudentischen Feste und Bräuche. Doch die seltsamen Regeln und Rituale sind mehr als nur harmlose und etwas kauzige Traditionspflege. Sie erfüllen ganz spezifische soziale und psychologische Funktionen. Ihre soziale Funktion besteht in erster Linie in der Abgrenzung von der (als weiblich gedachten) „Masse“ und der Ausbildung eines antiegalitären männlichen Elitebewusstseins. Im Fokus dieses Artikels soll aber die psychologische Funktion stehen, die, so unsere These, in der Abwehr der Angst vor (Geschlechter-)Differenz durch die Herstellung einer Gemeinschaft der Gleichen besteht.

Diese These soll hier an den beiden wichtigsten Ritualen schlagender Verbindungen, der Mensur und der Kneipe, veranschaulicht werden. In der vorgenommenen Zuspitzung treffen die Thesen vermutlich nur auf pflichtschlagende Studentenverbindungen zu; der Tendenz nach gelten sie aber für alle korporationsstudentischen Männerbünde. Schließlich sind auch diejenigen Bünde, die keine Mensuren fechten, eine durch die strengen formalen Regeln des Comment strukturierte, sich in antiindividualistischen Ritualen konstituierende Männergemeinschaft. Daher soll in einem ersten Schritt zunächst auf die psychologischen Grundlagen des Männerbunds eingegangen werden, bevor im zweiten Schritt die konkreten korporationsstudentischen Praktiken analysiert werden… (mehr)