Aufruf: Gegen den Burschentag in Eisenach, gegen alle Männerbünde!

Die Deutsche Burschenschaft zerlegt sich selbst. Auch nach dem vergangenen Burschentag in Eisenach ebbt die Austrittswelle nicht ab: Fast die Hälfte aller Bünde hat den Verband in den letzten drei Jahren seit dem Skandal um den sogenannten „Arierparagraphen“ und der damit einhergehenden Eskalation der Flügelkämpfe verlassen. Die verbliebenen Verbindungen sind die offen völkischen und faschistischen, ausgetreten sind die nationalkonservativen und die, denen ihr Image dann doch wichtiger war als die Tradition. Kurz: Der einst bedeutendste studentische Korporationsverband ist nicht mehr das, was er einmal war.

Eines jedoch ist geblieben: Die Mitgliedsbünde der Deutsche Burschenschaft sind Männerbünde – und mit ihnen auch die angeblich „liberalen“ Bünde, die die DB in den letzten Monaten und Jahren verlassen haben, und überhaupt nahezu alle deutschen und österreichischen Studentenverbindungen.

Die Idealisierung martialischer Männlichkeit, Homophobie, völkischer Nationalismus, Sexismus und antifeministische Agitation sind noch immer Gang und Gäbe in sämtlichen Burschenschaften…(mehr)

Redebeitrag: Deutschland, seine Mythen und die Deutsche Burschenschaft

Bekanntlich ist völkischer Nationalismus seit der Gründung der sogenannten „Urburschenschaft“ im Jahr 1815 Bestandteil burschenschaftlicher Politik. Deutlichster Ausdruck dieser Politik ist bis heute der „volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff“. Das unsägliche Wort „Volkstum“ ist eine Wortneuschöpfung des Vorreiters der burschenschaftlichen Bewegung, Turnvater Jahn. Jahn prägte den Begriff des Volkstums und mit ihm die Idee eines urwüchsigen, organischen und ewigen „Volkscharakters“ als Grundlage der angestrebten deutschen Nation. Noch heute ermöglicht das Konzept des Vokstums der Deutschen Burschenschaft, nicht nur Österreich zu einer „deutschen Kulturnation“ mit hinzu zu zählen – aus diesem Grund sind ja auch österreichische Bünde in der DB – sondern auch auf der Zugehörigkeit von etwa Schlesien, Elsass-Lothringen und dem sogenannten Sudetenlandzu beharren. Den Südtirol-Terrorismus der 50er und 60er Jahre, an dem auch zahlreiche Burschenschafter beteiligt waren, sieht die DB als Vorbild für eine „Politik“ zugunsten der Einverleibung der sogenannten Ostgebiete. Diese würden, so die DB in ihrem „Handbuch“ aus dem Jahr 2005, von Polen lediglich „verwaltet“, die „territoriale Souveränität über die Ostgebiete“ verbleibe „weiterhin bei Deutschland“. Alle Mitglieder der DB – auch die vermeintlich „liberalen“ – lehnen eine Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze ab. Noch bis 1990 waren sie damit aber bei Weitem nicht allein: Die Bundesrepublik Deutschland erkannte die 1970 im Warschauer Vertrag festgelegten Ostgrenzen Deutschlands erst 1990 offiziell an. (mehr)