Redebeitrag: Deutsche Burschenschaft als Scharnier zwischen Konservatismus und Neonazismus

In ihren Chargierten-Uniformen, mit ihren Mützen und Bändern, mit Waffen und Wichs, mit Degen oder mit Bierzipfel sehen diese Burschenschafter immer irgendwie seltsam aus. Sie verhalten sich merkwürdig, wenn sie fechten, Unmengen Bier saufen und geschwollen daherreden. Aber Burschenschafter sind mehr als eine folkloristische Rarität, die irgendwie zum Ambiente der deutschtümelnden Burg da oben passt. Sie sind ein gefährlicher Klüngel aus Neonazis und Konservativen – dass sie gemeinsam alle drei Strophen des Deutschlandliedes singen, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Denn in der Deutschen Burschenschaft haben sie alle ihren Platz und ihre Rolle: Die einen um als „konservative Demokraten“ nach außen in Erscheinung zu treten, die anderen um offensichtlich die Kontakte mit NPD, Republikanern, FPÖ, Jungen Nationaldemokraten und anderen neonazistischen Organisationen zu pflegen. Aus diesem Grund müssen die Burschenschafter der DB immer als Neonazis und Konservative kritisiert werden – eine Kritik, die sie einfach in die „rechtsextreme Ecke“ stellt, macht es sich’s zu leicht. So etwa geschieht es momentan medial am Beispiel der Bonner Raczeks, jenem Bund, der 2011 durch den Antrag auf einen „Ariernachweis“ eklige Berühmtheit erlangte. Doch dass die Alten Herren der Raczeks nun ach so liberal gegen die aktiven Nazis in ihren eigenen Reihen vorgehen, interne Dokumente leaken und einen Pressewirbel veranstalten, macht sie noch lange nicht zu „liberalen Dissidenten“ (wie etwa die Zeit behauptet) – Ihr Vorgehen und Auftreten muss als Strategie begriffen werden, denn die vermeintlich liberaleren Burschen sind stets nur eins: pragmatischer als die anderen, wenn es um Öffentlichwirksamkeit geht! Nicht zuletzt, weil im Berufsleben stehende Burschenschafter es sich nicht leisten können, wie ihr Nachwuchs offen neonazistische Positionen zu vertreten. So ist auch der Zusammenschluss „Initiative Burschenschaftliche Zukunft“ (IBZ) zu begreifen, der von der Presse gern als liberales Bollwerk in der DB angeführt wird.

Deswegen gilt: Burschenschafter als Nazis zu outen ist nicht schwer! Längst bekannt ist der Fall der Münchener Danubia, die 2001 einem polizeilich gesuchten Neonazi nach einem rassistischen Übergriff Unterschlupf gewährte. Auch die Machenschaften der Dresdensia-Rugia Gießen sind inzwischen ein alter Hut: In ihr tummeln sich so illustre Gestalten wie der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Arne Schimmer und das NPD-Parteivorstandsmitglied Jürgen Gansel. Letzterer geriet in den Fokus, als sich 1999 ein Hausmeister in Marburg über „Sieg Heil”-Rufe bei einigen Burschen beschwerte und dafür aus Gansels Luftgewehr beschossen wurde. Neuester Medienstar offen neonazistischer Umtriebe ist der „Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter“ Norbert Weidner. Dieser hatte in einem Leserbrief in der Mitgliederzeitung der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ zur Hinrichtung des Widerstandsmitglieds Dietrich Bonhöffer im KZ Flossenbürg geschrieben: „Rein juristisch halte ich die Verurteilung für gerechtfertigt“. Weidner nannte Bonhöffer einen „Landesverräter“, der den Tod Tausender deutsche Soldaten mitverantworte. Dafür wurde er immerhin aus der FDP ausgeschlossen. Doch seine Ausschweifungen dürfen eigentlich nicht verwundern: bis zu deren Verbot war Weidner Landesgeschäftsführer der neonazistischen „Freiheitlichen Arbeiterpartei“ in Nordrhein-Westfalen, mit bereits 15 Jahren gehörte er schon der ebenso später verbotenen „Wiking Jugend“ an. 1999 dann begann er seine Karriere bei den Raczecks. Reden darf Weidner dieses Jahr beim Festkommers nicht – „rechtsextreme Äußerungen“ könnten die Burschen die Festhalle kosten! Da lässt man lieber die vermeintlich Liberalen reden.

Eine gute Mischung scheint das Rezept der Deutschen Burschenschaft zu sein – so findet sich die Mischung zwischen Neonazis und Konservativen sich auch bei Vorträgen auf den Häusern: Es werden Holocaustleugner eingeladen, völkische Abtreibungsgegner, Vertriebenenfunktionäre, AntifeministInnen, alte Nazis, Nazi-Anwälte , Bundeswehrgeneräle, Kirchenvertreter, konservative Historiker, Publizisten der Neuen Rechten und und und… Die gesamte akademische Rechte, ob „intellektuelle Nazis“ oder neurechte „Theorie“-Lieferanten ist bestens mit der Deutschen Burschenschaft vernetzt – oder gleich ein Teil von ihr.

Wie gesagt: Burschen als Neonazis zu kritisieren ist nicht schwer. Sie müssen jedoch ebenfalls als Konservative kritisiert werden, die sie nun auch einmal sind. Diese legen Wert auf seriösen Anstrich, verstehen sich als gesellschaftliche Gestalter und geistige Vorhut. So bringen sie ihre Inhalte in die „Mitte der Gesellschaft“ und tragen viel zur Akzeptanz reaktionärer, nationalistischer und antifeministischer Positionen bei. Sie sind nicht so angreifbar wie die exponierteren offensichtlichen Nazis – stehen diesen aber zumeist inhaltlich in nichts nach. Vertreter dieser Sparte sind zum Beispiel der in der CSU bundespolitisch Aktive Hans Merkel, Mitglied der Münchener Arminia-Rhenania, der 2011 in Eisenach von Bismarckreich und groß „Deutsch-Österreich“ schwafelte. Auch bei der Danubia war er schon als Redner zu Gast. Sein „Bundesbruder“ Hans-Peter Uhl, ebenfalls CSU-Politiker, machte durch Aussagen auf sich aufmerksam, in denen er forderte, neben jüdische Zwangsarbeitern auch „deutsche Opfer“ zu entschädigen. In Bezug auf die Morde des NSU schwadronierte Uhl, eine vernünftige Einwanderungspolitik sei verantwortlich, dass keine „Kampfgruppen am rechten Rand“ entstünden und der soziale Frieden nicht gefährdet würde. Es nütze nichts, wenn man die ganze Welt umarme, dabei aber die eigenen Bürger aus den Augen verliere. Ein deutscher Meister der Verdrehung von Ursache und Wirkung! Darüber hinaus ist Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild in der Münsteraner Franconia, die auch Mitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft ist. Und Peter Ramsauer, Verkehrsminister der CSU, gehört der Münchener Burschenschaft Franco-Bavaria an, in der schon Heinrich Himmler organisiert war.

Nach außen hin versuchen sich die Burschenschafter von Nazis und „jeglichem Extremismus“ abzugrenzen und treten so als Demokraten auf : noch heute gibt es eine Unvereinbarkeitserklärung einer gleichzeitigen Mitgliedschaft in der DB und „rechtsextremen Gruppen“ – die NPD oder anderen neonazistische Vereinigungen sind damit jedoch nicht gemeint, denn das hätte einige Bünde „in grundsätzliche Schwierigkeiten“ gebracht. Dementsprechend ist die Abgrenzung rein formal, nicht etwa inhaltlich. Wenn die Burschen reaktionären, nationalistischen, antisemitischen und sexistischen Müll äußern, dann tun sie es stets mit dem Verweis auf „Meinungsfreiheit“. Genau hier wird die Scharnierfunktion der DB deutlich: Die sich so seriös gebenden Männer vereinen in ihren Kreisen (Neo-)Nazismus und Konservatismus – sowohl was Inhalte, als auch was Organisationsstrukturen betrifft. Wir sind hier um Verbindungen in ALL ihren Facetten anzugehen!

>> Burschenschaften bashen! Gegen Nazis und Konservative in der DB und überall! Für eine Gesellschaft jenseits von Nationalismus, Sexismus, Rassismus und Antisemitismus!

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