Aufruf: Gegen jeden Antisemitismus!

 … in Göttingen, Deutschland, Europa und anderswo …

Sonn­abend, 30. Au­gust, 15 Uhr
Altes Rat­haus/ Gän­se­lie­sel, Göt­tin­gen

Am 08. Juli 2014 be­gann die is­rae­li­sche Luft­waf­fe als Re­ak­ti­on auf den zu­neh­men­den Ra­ke­ten­ha­gel aus dem Ga­za­strei­fen mit dem Be­schuss von Orten, an denen sie Ha­mas-​Kämp­fer ver­mu­te­te. Kurz dar­auf ver­sam­mel­ten sich welt­weit Men­schen, um gegen den Krieg zu de­mons­trie­ren. Doch zu­meist ge­schah dies sehr ein­sei­tig: „Free Pa­les­ti­ne“ und „Kin­der­mör­der Is­ra­el“ waren die meist­ge­hör­ten Pa­ro­len, durch „Al­la­hu Akbar“ er­hiel­ten die Demos eine deut­lich re­li­giö­se, teil­wei­se mit Ha­mas-​ und gar Isis-​Fah­nen auch is­la­mis­ti­sche Aus­rich­tung.

Doch dabei blieb es nicht: In Göt­tin­gen wur­den De­mons­trie­ren­de, die Is­ra­el-​Fah­nen tru­gen, aus einer Free-​Ga­za-​De­mo her­aus an­ge­grif­fen, in Frank­furt er­hielt ein Rab­bi­ner Mord­dro­hun­gen, in Ber­lin wurde ein jü­di­sches Paar be­drängt, in Wup­per­tal gab es einen ver­such­ten Brand­an­schlag auf eine Syn­ago­ge, in Sar­cel­les, einem Vor­ort von Paris, wur­den ko­sche­re Ge­schäf­te an­ge­zün­det. (mehr)

Aufruf: Gegen den Burschentag in Eisenach, gegen alle Männerbünde!

Die Deutsche Burschenschaft zerlegt sich selbst. Auch nach dem vergangenen Burschentag in Eisenach ebbt die Austrittswelle nicht ab: Fast die Hälfte aller Bünde hat den Verband in den letzten drei Jahren seit dem Skandal um den sogenannten „Arierparagraphen“ und der damit einhergehenden Eskalation der Flügelkämpfe verlassen. Die verbliebenen Verbindungen sind die offen völkischen und faschistischen, ausgetreten sind die nationalkonservativen und die, denen ihr Image dann doch wichtiger war als die Tradition. Kurz: Der einst bedeutendste studentische Korporationsverband ist nicht mehr das, was er einmal war.

Eines jedoch ist geblieben: Die Mitgliedsbünde der Deutsche Burschenschaft sind Männerbünde – und mit ihnen auch die angeblich „liberalen“ Bünde, die die DB in den letzten Monaten und Jahren verlassen haben, und überhaupt nahezu alle deutschen und österreichischen Studentenverbindungen.

Die Idealisierung martialischer Männlichkeit, Homophobie, völkischer Nationalismus, Sexismus und antifeministische Agitation sind noch immer Gang und Gäbe in sämtlichen Burschenschaften…(mehr)

Aufruf: Etwas besser ist nicht gut genug

Global ist zu beobachten: Frauen werden zunehmend in den (Welt-)Markt integriert, ernähren alleine ihre Familien, ohne jedoch eine Chance zur eigenen Existenzsicherung zu bekommen. Gleichzeitig bleiben Frauen maßgeblich für’s Abwaschen, Kinder aufziehen, Putzen und Wäschewaschen verantwortlich – übrigens oft noch mit dem Verweis auf eine vermeintlich „natürliche Fähigkeit“ dazu. Viele Frauen können diese Doppelbelastung von Lohn- und Reproduktionsarbeit nicht bewältigen: Die Verwilderung des Patriarchats treibt ihre Blüten.
Darüber hinaus sind es zumeist Frauen, die schlechtbezahlt in der Pflege, in der Kita und in der Reinigung arbeiten und dort unter prekarisierten Arbeitsverhältnissen leiden. Nicht selten führen diese Verhältnisse zu Burnouts.
Vor diesem Hintergrund sind Forderungen nach mehr Sozialstaat oftmals nachvollziehbar. Doch selbst wenn der wollte, er kann nix machen. Warum das so ist, kann nur der Blick auf ein größeres Zeitfenster zeigen, als eines von 2007 (dem Ausbruch der sogenannten Finanzkrise) bis heute. Der Kapitalismus befindet sich seit den 1970er Jahren in einem strukturellen Krisenprozess. Bedingt durch die „mikroelektronische Revolution“ wird die Quelle des Mehrwerts, die Arbeitskraft, immer überflüssiger. Staatliche Intervention in Form aufschiebender Maßnahmen sollte in den 80er und 90er Jahren die Krise abmildern, so die aufkommende Massenarbeitslosigkeit abfedern und die marode Wirtschaft am Laufen halten. Die sogenannten „personenbezogenen Dienstleistungen“ wurden ausgeweitet und Menschen in Produktionsbereichen in Beschäftigung gebracht, in denen Arbeitskraft nicht so leicht zu ersetzen ist – der Pflege, der Erziehung, also allem, was mit Menschen zu tun hat. Heute ist es, seit dem Ausbruch der sogenannten Finanzkrise, sichtbarer denn je, dass eine weitere Verschuldung verheerende Folgen haben könnte, wie die Haushaltskrise in den USA mit ihrem „Shutdown“ zeigte. (mehr)

Redebeitrag: Deutschland, seine Mythen und die Deutsche Burschenschaft

Bekanntlich ist völkischer Nationalismus seit der Gründung der sogenannten „Urburschenschaft“ im Jahr 1815 Bestandteil burschenschaftlicher Politik. Deutlichster Ausdruck dieser Politik ist bis heute der „volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff“. Das unsägliche Wort „Volkstum“ ist eine Wortneuschöpfung des Vorreiters der burschenschaftlichen Bewegung, Turnvater Jahn. Jahn prägte den Begriff des Volkstums und mit ihm die Idee eines urwüchsigen, organischen und ewigen „Volkscharakters“ als Grundlage der angestrebten deutschen Nation. Noch heute ermöglicht das Konzept des Vokstums der Deutschen Burschenschaft, nicht nur Österreich zu einer „deutschen Kulturnation“ mit hinzu zu zählen – aus diesem Grund sind ja auch österreichische Bünde in der DB – sondern auch auf der Zugehörigkeit von etwa Schlesien, Elsass-Lothringen und dem sogenannten Sudetenlandzu beharren. Den Südtirol-Terrorismus der 50er und 60er Jahre, an dem auch zahlreiche Burschenschafter beteiligt waren, sieht die DB als Vorbild für eine „Politik“ zugunsten der Einverleibung der sogenannten Ostgebiete. Diese würden, so die DB in ihrem „Handbuch“ aus dem Jahr 2005, von Polen lediglich „verwaltet“, die „territoriale Souveränität über die Ostgebiete“ verbleibe „weiterhin bei Deutschland“. Alle Mitglieder der DB – auch die vermeintlich „liberalen“ – lehnen eine Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze ab. Noch bis 1990 waren sie damit aber bei Weitem nicht allein: Die Bundesrepublik Deutschland erkannte die 1970 im Warschauer Vertrag festgelegten Ostgrenzen Deutschlands erst 1990 offiziell an. (mehr)

Redebeitrag: Wir dürfen es uns nicht zu einfach machen!

Am Samstag, den 13.4. sind in München mehrere tausend Menschen gegen die Verstrickungen von Verfassungsschutz und NSU, gegen alltäglichen und institutionellen Rassismus und gegen die Verkehrung von Opfern und TäterInnen der NSU-Morde auf die Straße gegangen.

Als Teil des Bündnisses “Extrem Daneben” haben wir uns an der Mobilisierung nach München beteiligt und halten es für wichtig, dass wir einen selbstkritischen Umgang mit unserer Politik finden. Daher möchten wir in unserem Redebeitrag unsere Eindrücke und die sich daran anschließenden unfertigen Gedanken und Fragen mit euch teilen, um eine Debatte anzuregen, die versucht aus Fehlern, Missständen und Problemen zu lernen und in der Lage ist, die Lücken bisheriger Erklärungsversuche zu füllen.

Wir versuchen im Rahmen des Bündnisses seit mehr als einem Jahr zu verstehen, was es bedeutet, dass Neonazis jahrelang ungehindert morden konnten und nur durch Zufall an weiteren Morden gehindert wurden. Wir haben nach München mobilisiert mit dem Bewusstsein, dass es ungeheuer wichtig ist, als Linke an dem Tag auf die Straße zu gehen – insofern sind wir eigentlich von einer der größten Demonstrationen in der Bundesrepublik seit der Agenda 2010 ausgegangen.

Doch sowohl die Unterstützer_innenliste als auch die Demo selbst haben bei uns Skepsis ausgelöst. Im Folgenden wollen wir vier Punkte aufgreifen, die uns insbesondere im Gedächtnis geblieben sind. (mehr)

Aufruf: Extrem Daneben

Intro

Als der deutschen Öffentlichkeit bewusst wurde, dass die Morde des NSU nicht, wie die weiteren 160 rassistischen Morde der letzten 20 Jahre, als „Einzeltaten“ von „Verwirrten“ abgetan werden konnten, erfolgte ein medialer Aufschrei par excellence: „Wie, es gibt richtige Nazis in Deutschland?!“ Was dann folgte, war für das Land der Ahnungslosen noch weit schlimmer: Der Verfassungsschutz (VS), jenes Organ, das die Deutschen nach ’45 vor dem Kommunismus beschützen sollte, steckte nach dem Skandal um das NPD-Verbotsverfahren schon wieder knietief im braunen Sumpf. Nicht nur nachlässige Ermittlungen und verpasste Festnahmen kamen da zutage. Auch der durch V-Leute finanzierte Aufbau des Thüringer Heimatschutzes in den 90er Jahren, ein VS-Mann namens „Kleiner Adolf“ an einem der Tatorte und staatliche Verstrickungen in die Strukturen der Rechtsterroristen wurden offenbar. Wir wundern uns nicht – seit seiner Gründung ist der Verfassungsschutz durch und durch von der Kontinuität des Nationalsozialismus und des Antikommunismus geprägt. (mehr)